„Bei der Kreativität ist noch Luft nach oben“

Daniel Thiekötter, Geschäftsführer der gleichnamigen Druckerei aus Münster, im Gespräch mit Sabine Goemann (IGEPA group) über die Zusammenarbeit mit Agenturen und Marken, gelungenes Hand in Hand von Digital und Print und den USP moderner Druckereien.

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Published:  24.9.2026 | Video, Fotos: Victor Beusch/IGEPA group

Ihr Unternehmen ist seit fast 150 Jahren in Münster ansässig. Welche Rolle spielt Regionalität für die Marke Thiekötter Druck?

Regionalität spielt schon eine Rolle. Nach fast 150 Jahren am Standort haben wir einen Namen und eine gewisse Bekanntheit in der Region, das hilft natürlich. Aber man muss ehrlich sein: In einem immer kleiner werdenden Druckmarkt sind wir längst deutschlandweit unterwegs. In vielen Regionen sind wir als Marke gar nicht bekannt. Deshalb müssen wir aktiv überlegen, wie wir uns aufstellen, wie wir für uns werben und wie wir kontinuierlich Neukunden gewinnen. Ohne das geht es heute nicht mehr – gerade weil die Bestandskunden oft sinkende Druckvolumina haben. Man muss also immer wieder auf die Suche nach neuen Kunden gehen.

Verpackung spielt am Point of Sale eine große Rolle – ein Kerngeschäft von Ihnen. Wie erleben Sie die Agenturen, die Ihnen die Entwürfe liefern? Wie kreativ und wie digital vernetzt sind die?

Ehrlich gesagt nehmen wir die Agenturen gar nicht so stark wahr. In der Praxis bekommen wir meist einfach die Druckdaten – die Kommunikation ist nicht besonders eng. Es gibt höchstens mal technische Rückfragen. Aber ein echter Austausch ist das nicht. Ich glaube, es könnte deutlich kreativer sein, wenn alle drei Parteien – Marke, Agentur und Druckerei – enger zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren würden.

Sie meinen, das Wissen der Druckerei kommt zu spät ins Spiel?

Genau. Natürlich braucht ein Projekt irgendwann Konkretheit und muss aufs Ziel zulaufen – auch ich als Drucker will keine monatelangen Schleifen, wie wir sie manchmal bei Weißmustern erleben. Aber das ist kein echter Kreativprozess, sondern eher das Durchspielen technischer Anforderungen: Der Dummy muss halten, nichts darf herausfallen oder verknicken, und im Regal muss die Verpackung toll aussehen. Bei der Kreativität ist noch Luft nach oben. 

Was beeindruckt Sie, wenn Sie mit Marken zu tun haben, die bewusst auf Print setzen?

Ich finde es schön zu sehen, dass sich Marken Gedanken darüber machen, wie sich Print ins Gesamtkonzept einbinden lässt. So entstehen Projekte, bei denen Digitales und Print Hand in Hand gehen, wo Verpackungen zum Sprung auf Landing Pages animieren oder wo Gewinnspiele integriert sind. Viele Marken machen das schon gut: Es ist heute nicht mehr so, dass es hier die Digitalabteilung gibt und dort die Printabteilung und beide nicht miteinander reden. Die Vernetzung wird immer stärker und es gibt wirklich spannende Projekte – das eine oder andere davon durften wir auch schon mitgestalten.

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Sind Sie auch als Scout unterwegs? Schauen Sie in Supermärkten, wie andere es machen?

Klar gucke ich mir die Produkte an, die im Supermarkt stehen: Was gibt es da für Verpackungsideen, wie sind die Veredelungen, welche Materialien werden eingesetzt? Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich im Supermarkt etwas finde, das von uns selber gedruckt wurde.

Was ist der USP einer modernen Druckerei? Nachhaltigkeit, Effizienz, Erschwinglichkeit, Qualität?

Diese Faktoren sind Grundvoraussetzungen. Unser Vorteil: Wir vereinen die Compliance-Standards großer Unternehmen mit der Flexibilität kleinerer Betriebe. Wir erfüllen regulatorische Anforderungen, besitzen alle Zertifikate, arbeiten GMP-konform und sind auditiert. Gleichzeitig können wir extrem schnell reagieren. Ein Weißmuster für eine Faltschachtel liefern wir in zwei Wochen – ein Prozess, der anderswo Monate dauert. Diese Kombination aus Qualitätsmanagement und Reaktionsgeschwindigkeit unterscheidet uns im Markt.

Sie haben Druck- und Medientechnologie studiert. Was muss man heute als Druckereibesitzer vor allem sein – Finanzer, Handwerker, Ingenieur?

Kaufmännisches Know-how ist zentral. Bereits im Studium war klar: Wer eine Druckerei führt, muss primär Kaufmann sein, nicht Ingenieur. Technisches Verständnis ist hilfreich, aber das kaufmännische Wissen ist absolut entscheidend – entweder hat man das selbst oder man hat jemanden mit kaufmännischer Expertise in der Geschäftsführung. 

Mit welchen Produkten geht die Druckerei Thiekötter in die Zukunft?

Ganz klar mit Verpackungsdrucksachen: Etiketten, Faltschachteln, Beipackzettel und Point-of-Sale-Produkte. Dort sehen wir die Volumina. Wir sind eine Druckerei für kleinere und mittlere Auflagen mit zwei Digitaldruck- und zwei Offsetmaschinen. Genau darin sehen wir unsere Zukunft: im kleinauflagigen Bereich. Das können durchaus große Kunden sein, die täglich viele verschiedene Layouts und Designs in kleinen Stückzahlen brauchen – und das mit der nötigen Sicherheit und Effizienz. Das können wir und da sehen wir uns auch in fünf oder zehn Jahren noch erfolgreich.

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Daniel Thiekötter (LinkedIn) ist Geschäftsführer und Inhaber der Thiekötter Druck GmbH in Münster. Er studierte Druck- und Medientechnologie in Wuppertal und führt das Familienunternehmen, das seit fast 150 Jahren am Standort ansässig ist, mit Fokus auf Verpackungsdruck, Etiketten und Point-of-Sale-Produkten.

Bei der Kreativität ist noch Luft nach oben“