„Etiketten spielen eine entscheidende Rolle in der Markenwahrnehmung“

Drucker Stefan Mail über Nischenmärkte, vollautomatisierte Prozesse und Markenführung

Published: 28.5.2026  |  Foto / Video: Youtube

Mail Druck + Medien im ostwestfälischen Bünde ist ein Etiketten-Spezialist mit einer ausgesprochen klaren Nachhaltigkeits-Positionierung: „Das grüne Etikett®" ist eine eingetragene Marke und Pionierprodukt seit 2009, mit einem heute breiten Materialportfolio – Biofolie aus Holzpulpe, FSC-Recyclingpapier, Graspapier, Steinpapier, Zero-Waste-Material aus Bagasse. Die gesamte Wertschöpfung ist konsequent darauf ausgerichtet: komplett digitale Fertigung ohne Klischees, Druckplatten oder Stanzformen, stattdessen Laserschneidtechnik, lebensmittelechte Tonerfarben, vegane und biologisch abbaubare Kleber, 100 % Ökostrom, klimaneutraler Druck und klimaneutraler GoGreen-Versand. Hinzu kommt eine hohe technische Flexibilität: Es gilt das Motto „Jede Menge, jede Größe, jede Form" 

Die Mail-Gruppe ist ein traditionsreiches Unternehmen mit fast 100 Jahren Geschichte. Wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit gewandelt?

Ursprünglich waren wir ein Akzidenzdruckbetrieb. Doch der Markt hat sich über die Jahre stark verändert. Gab es im Jahr 2000 noch etwa 14.000 Druck- und Medienbetriebe in Deutschland, sind es heute nur noch rund 6.000. Angesichts des Verdrängungswettbewerbs und der steigenden Kapazitäten haben wir uns spezialisiert – auf die Herstellung von Rollenhaftetiketten. Den Schritt haben wir Anfang der 1990er-Jahre gemacht, als wir in den Digitaldruck investiert haben. Das war damals eine abenteuerliche Entscheidung, aber wir erkannten frühzeitig, dass der klassische Printbereich immer schwieriger wird.


Warum sind Etiketten für Ihr Unternehmen ein Erfolgsmodell?

Unsere Kunden standen zunehmend vor Herausforderungen durch EU-Kennzeichnungspflichten, Sortenvielfalt und kleinere Auflagen. Hier kamen Etiketten ins Spiel. Besonders mit unserer Laserschneidetechnologie, die wir selbst entwickelt haben, konnten wir eine Nische besetzen: die ressourcenschonende Herstellung von kleinen bis mittelgroßen Auflagen von Rollenhaftetiketten ohne Stanzwerkzeuge. Das spart Material und ermöglicht es uns, flexibel und nachhaltig zu produzieren.


Kleine Unternehmen kämpfen oft mit Herausforderungen bei der Kundengewinnung. Wie gelingt es Ihnen, Kunden zu überzeugen, insbesondere große Player?

Es ist tatsächlich nicht einfach, als kleiner Betrieb gegen die Skepsis großer Unternehmen anzukommen. Viele fragen, ob wir mit nur 20 Mitarbeitenden die notwendige Leistung erbringen können. Unser Ansatz ist, potenzielle Kunden gezielt anzusprechen, die mit kleinen oder mittleren Mengen zu kämpfen haben. Wir laden sie ein, unsere hochautomatisierte Produktion in Bünde zu besichtigen, und zeigen, wie wir mit einem vollautomatischen digitalen Workflow Etiketten produzieren – vom Datenimport über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Produkt.


Wie können Drucker solche Markenartikler bei der Markenführung unterstützen?

Etiketten spielen eine entscheidende Rolle in der Markenwahrnehmung. Sie sind ein wesentliches Element, um die Persönlichkeit und Werte einer Marke zu transportieren. Mit innovativen Drucktechnologien wie unseren ressourcenschonenden und hochpräzisen Verfahren ermöglichen wir es Markenartiklern, ihre Produkte nicht nur optisch ansprechend, sondern auch nachhaltig zu präsentieren. Unsere maßgeschneiderten Lösungen helfen dabei, Individualität zu unterstreichen und die Markenbotschaft direkt zum Kunden zu bringen.

Workflows ohne Rüstzeiten

Sie sprechen von einem vollautomatisierten Workflow. Wie haben Sie diese Prozesse etabliert?

Das war ein langer Weg. Wir haben zunächst erkannt, dass es kein MIS- oder ERP-System gab, das unsere Anforderungen im Bereich Etikettenproduktion erfüllte. Viele existierende Lösungen waren zu komplex oder nicht ausreichend anpassungsfähig. 2016 haben wir dann mit der Firma Lewald und Partner zusammengearbeitet, um eine maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln. Das Ergebnis ist unser Workflow-System „Epos“, das sowohl die Produktion als auch die Verwaltung vollautomatisiert. Es reduziert den Rüstaufwand auf null und ermöglicht es uns, mit nur 20 Mitarbeitenden über 80.000 Aufträge pro Jahr zu bearbeiten.


Sie haben Lewald und Partner sogar übernommen. Was war die Motivation dahinter?

Der Kauf war eine strategische Entscheidung. Wir haben erkannt, dass wir mit den gängigen Tools am Markt nicht die Flexibilität und Performance erreichen, die wir benötigen. Mit der Übernahme haben wir die Kontrolle über die Weiterentwicklung der Software gewonnen und können sie optimal an unsere Bedürfnisse anpassen. Nebenbei hat sich daraus ein zusätzliches Geschäftsfeld entwickelt, da auch andere Unternehmen Interesse an Epos zeigen.

Nachhaltig, lange bevor Nachhaltigkeit gefragt war

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Wie setzen Sie das im Unternehmen um?

Bereits 2009 haben wir „Das grüne Etikett“ als Marke registriert und uns auf nachhaltige Drucklösungen spezialisiert. Wir verwenden lebensmittelechte Druckfarben, nachhaltige Materialien, vermeiden Makulatur und sparen durch den Verzicht auf Stanz- und Klischeewerkzeuge Ressourcen. Allerdings war das Thema vor über einem Jahrzehnt kaum gefragt – seit etwa fünf Jahren hat es aber deutlich an Relevanz gewonnen.


Welche Innovationen treiben Sie aktuell voran?

Wir haben gerade eine Weltneuheit in Betrieb genommen: eine Veredelungstechnologie, die mit lebensmittelechten Farben und ohne UV-Tinten arbeitet. Zusammen mit den Firmen Kurz und Xeikon haben wir ein Verfahren entwickelt, das Passergenauigkeit auch bei schwierigen Materialien ermöglicht. Zudem ist die eingesetzte Folie recycelbar, wodurch unsere Etiketten vollständig in den Recyclingprozess integriert werden können.


Die Marke „Das grüne Etikett“ wurde 2009 eingeführt. Welche Rolle spielt sie heute in Ihrem Unternehmen?

„Das grüne Etikett“ ist für uns weit mehr als nur ein Produktname – es ist ein Versprechen an unsere Kunden und ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Mit dieser Marke zeigen wir unseren Fokus auf Nachhaltigkeit und Innovation. Sie signalisiert, dass wir nicht nur hochwertige Etiketten herstellen, sondern diese auch ressourcenschonend und umweltfreundlich produzieren. Es war ein langfristiger Plan, diese Marke zu etablieren, und heute ernten wir die Früchte unserer Arbeit, da das Thema Nachhaltigkeit in der Druckbranche immer bedeutender wird.

Marke, Vertrauen – und ein Rat zum Schluss

Welche Bedeutung hat Markenführung für die Mail-Gruppe?

Markenführung ist essentiell, um unseren Kunden ein klares Bild davon zu vermitteln, wofür wir stehen. Unsere Marken – wie „Das grüne Etikett“ – helfen dabei, unsere Werte wie Nachhaltigkeit, Qualität und Innovation deutlich zu kommunizieren. Eine starke Marke schafft Vertrauen und Differenzierung am Markt. Besonders in einem spezialisierten Segment wie der Etikettenproduktion ist es wichtig, dass Kunden uns als verlässlichen Partner wahrnehmen, der nicht nur Produkte liefert, sondern auch Lösungen für ihre individuellen Herausforderungen bietet.


Was raten Sie jemandem, der ein Druckunternehmen übernehmen möchte?

Der Fokus sollte nicht auf den Maschinen liegen, sondern auf dem Konzept. Welche Probleme können gelöst und welche Mehrwerte geboten werden? Es geht darum, die Bedürfnisse der Kunden zu übertreffen und nicht einfach wahllos ein Unternehmen mit großem Maschinenpark zu kaufen. Wer nachhaltig und kundenzentriert agiert, wird langfristig erfolgreich sein.

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Stefan Mail (LinkedIn-Profilseite) ist Inhaber und Geschäftsführer der Mail Druck + Medien GmbH in Bünde, eines familiengeführten Unternehmens mit Schwerpunkt auf digital produzierten Rollenhaftetiketten. Nach technischer und kaufmännischer Ausbildung mit betriebswirtschaftlichen Abschlüssen übernahm er 1993 die Geschäftsführung und etablierte früh den Digitaldruck im Betrieb. Er engagiert sich seit 2017 im Beirat des Vorstands des Verbandes Druck und Medien Nord-West e. V. und ist Mitglied im Beirat der Einkaufsgemeinschaft Papier Plus. Zudem ist er seit 2008 als fester Gutachter für die Berufe der Druck- und Medienwirtschaft tätig. Unter seiner Leitung erzielte das Unternehmen mehrfach Finalplatzierungen bei den Druck&Medien Awards, unter anderem in der Kategorie „Etikettendrucker des Jahres“.