„Verpackung wird zur Bühne am Point of Sale”

Print-Frau Janneke Klasen über die digitale Zukunft der Branche

Erfolg entsteht im Druckgewerbe heute nicht mehr nur an der Maschine, sondern am digitalen Reißbrett und in der strategischen Markenführung. Im Interview zeigt eine Führungspersönlichkeit, dass moderne Industrie keine Geschlechterfrage ist, sondern eine Frage der Vision. Sie spricht darüber, wie sie den „KI-Turbo“ zündet, warum die Verpackung zur Bühne für Marken wird und wie sie sich als Frau in einem technischen Umfeld durch Vernetzung und Neugier ihren Platz an der Spitze gesichert hat.

jumping-arrow-white

photo / Video: Kastenstecker

In der Serie „Print-Frauen“ befragen wir weibliche Führungskräfte aus der Druckbranche zu ihren Ansichten zu ihrer Industrie und zu deren Innovationskraft. Lesen Sie auch die Interviews mit Carolin Stäudle (Stäudle GmbH, Öhringen) und Petra Krenn (Unternehmensgruppe O/D, Ottweiler/Saarland).

Welche Rolle spielt visuelle Kommunikation heute für den Erfolg Ihres Betriebs – über das eigentliche Druckprodukt hinaus, bis hin zu Service, Beratung und Inszenierung?

Eine der entscheidenden Entwicklungen ist, dass Verpackung heute viel stärker als Teil der Markenkommunikation verstanden wird – nicht nur als funktionales Produkt.

Wir haben Verpackung schon immer als Zusammenspiel aus Gestaltung, Funktion und Wirkung gedacht. Der Unterschied ist: Der Markt zieht jetzt nach.

Durch die zunehmende Vergleichbarkeit im digitalen Raum wird Differenzierung immer wichtiger. Verpackung wird zur Bühne am Point of Sale und damit zu einem echten Marketinginstrument.

Prozess-Evolution: Von der Werkbank zur KI-gestützten Markenstrategie

Wie weit ist die Digitalisierung Ihrer Kernprozesse heute vorangeschritten und wie schätzen Sie Ihre Position im Vergleich zum Branchendurchschnitt ein?

Wir sind in der Digitalisierung bereits gut aufgestellt und haben mit unserem ERP-System eine starke Grundlage geschaffen, die viele zentrale Prozesse strukturiert und transparenter macht.

Für uns ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es geht darum, unsere Mitarbeitenden zu entlasten und gleichzeitig effizienter zu werden.

2024 haben wir gemerkt, dass wir an einen Punkt gekommen sind, an dem es nicht automatisch weitergeht. Der nächste Entwicklungsschritt hat gefehlt.

Diesen Impuls haben wir über ein gefördertes KI-Programm bekommen. Seitdem arbeiten wir daran, KI gezielt einzusetzen – aktuell vor allem im Marketing und Vertrieb.

Der nächste Schritt ist für uns, KI stärker in unsere Prozesse zu integrieren.


Was sind aus Ihrer Sicht die größten Fallstricke bei der digitalen Transformation – insbesondere in einer kapital- und maschinenintensiven Branche wie der Druckindustrie?

Die größten Fallstricke liegen aus meiner Sicht weniger in der Technik selbst, sondern in der Umsetzung.

Ein zentraler Punkt ist das fehlende Wissen: Die richtigen Tools auszuwählen und sinnvoll in bestehende Prozesse zu integrieren, ist deutlich anspruchsvoller, als es oft dargestellt wird.

Gleichzeitig ist es entscheidend, die Mitarbeitenden mitzunehmen. Digitalisierung funktioniert nur, wenn sie im Team verstanden und mitgetragen wird.

Und ein oft unterschätzter Faktor ist die Zeit. Im laufenden Betrieb fehlt häufig der Raum, um sich strukturiert mit neuen Themen auseinanderzusetzen und diese konsequent weiterzuentwickeln.


Wie verändert die Digitalisierung die Rolle der Geschäftsführung in der Druckbranche – und wie gehen Sie persönlich mit diesem Wandel um, z. B. in puncto strategische Planung, Technologiekompetenz oder Kulturwandel im Unternehmen?

Ich kann die Frage gar nicht so stark aus einer Veränderung heraus beantworten, weil Digitalisierung für mich nie etwas Neues war, sondern von Anfang an Teil meiner Arbeit.

Strategisches Arbeiten war dabei schon immer zentral. Durch neue Technologien wie KI wird es heute vor allem schneller und gezielter.

Die eigentliche Herausforderung liegt darin, diese Entwicklungen sinnvoll ins Unternehmen zu übertragen und in bestehende Prozesse zu integrieren.

KI ist dabei ein gutes Beispiel: Sie hilft mir, effizienter zu arbeiten und Dinge schneller zu durchdenken. Entscheidend ist aber, aus Digitalisierung echten Mehrwert im Unternehmen zu schaffen und das Team mitzunehmen.

Für mich ist das eine Entwicklung, die ich bewusst annehme und die mir auch Spaß macht.


Wie gelingt es Ihnen, technologische Innovationen und wirtschaftliche Prozesse so zu verzahnen, dass daraus echte Wettbewerbsvorteile entstehen – und keine überambitionierten Einzelprojekte ohne langfristige Wirkung?

Für uns geht es darum, technologische Entwicklungen bewusst anzugehen, nicht impulsiv.

Wir schauen, wo unsere Engpässe liegen und wo wir effizienter werden können. Gleichzeitig beschäftigen wir uns aktiv mit neuen Themen und beobachten den Markt.

Entscheidend ist, beides zusammenzubringen: zu erkennen, was zu uns passt, und dann auch den Mut zu haben, es umzusetzen.

Wir nehmen uns dafür Zeit, tauschen uns aus und entscheiden im Team. So stellen wir sicher, dass neue Lösungen wirklich in unsere Abläufe passen.

Dadurch entstehen keine Einzelprojekte, sondern Entwicklungen mit langfristiger Wirkung.

Leadership im Wandel: Mit Netzwerken und Fachwissen zur Spitze

Welche Ratschläge würden Sie einer jungen Frau geben, die eine leitende Position in der Druckindustrie anstrebt?

Ich würde ihr raten, neugierig zu bleiben und sich auch in Themen einzuarbeiten, die auf den ersten Blick nicht die eigenen sind.

Gerade in einer technischen Branche wie der Druckindustrie merkt man oft erst im Tun, wie spannend und vielseitig die Themen wirklich sind.

Gleichzeitig ist es wichtig, sich zu zeigen und ins Netzwerk zu gehen. Der Austausch mit anderen ist aus meiner Sicht entscheidend, um dazuzulernen und neue Perspektiven zu bekommen.

Viele Dinge lernt man nicht aus Büchern oder im eigenen Unternehmen, sondern durch Gespräche und Einblicke von außen.

CD-RedID1490_KlasenJanneke_Interview_HSh(c)Kastenstecker (1)

Janneke Schmidt (LinkedIn-Profilseite) ist seit 2021 CEO der Hans Schmidt Werbeverpackungen GmbH und führt das Familienunternehmen in fünfter Generation gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Schwester. Vor der Übernahme sammelte sie internationale Erfahrung in verschiedenen Branchen, die heute ihre moderne Perspektive auf die Druckindustrie prägen. Ihr Fokus liegt auf der Transformation von der funktionalen Verpackung hin zum strategischen Marketinginstrument. Unter ihrer Leitung verbindet das Unternehmen traditionelles Handwerk mit digitalen Innovationen wie KI, um für Agenturen und Markenhersteller hochemotionale Verpackungslösungen zu entwickeln, die Markenidentität am Point of Sale erlebbar machen.


Foto Janneke Klasen: Kastenstecker